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Das Tagebuch der Taisiia Onofriichuk

Tasiia Onofrichuk

Eine Gymnastin zwischen Urlaub in Deutschland, internationalen Wettkämpfen und Training im Kriegsgebiet

Wenn Taisiia Onofriichuk vom seit mehr als vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg auf die Ukraine eine kleine Atempause braucht, reist sie entweder zu einem Trainingslager nach Japan - oder zu einem Kurzurlaub nach Deutschland. "Ich besuche dort hin und wieder meine Cousine und meine Großmutter", sagt die 17-Jährige voller Dankbarkeit über die gelegentliche Auszeit bei der Verwandtschaft. Und wenn irgendwie möglich, sollen ihre beiden Familienmitglieder auch live dabei sein, wenn "Taya", so ihr Spitzname, in der Frankfurter Festhalle um WM-Medaillen kämpft. Ungeachtet der gefährlichen Lebensbedingungen in Kiew verliert der Schützling von Ex-Weltmeisterin Irina Derjugina seine hohen sportlichen Ziele nie aus den Augen: "Wir werden in Kiew oft beschossen und es ist sehr schwierig. Aber es ist eine große Ehre, ein Land zu vertreten, dass sich derzeit im Krieg befindet." 

Ihr neunter Platz bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris soll nur der Auftakt zu weit größeren Erfolgen sein. Und auf diesem Weg ist Onofriichuk mittlerweile bereits ein gutes Stück vorangekommen. Bei den letztjährigen Welttitelkämpfen in Rio de Janeiro reichte es bereits zu zwei Bronzemedaillen und am Ende des Jahres führte sie kurzzeitig sogar die Weltrangliste an. Top-Resultate, erarbeitet durch hartes körperliches Training, aber auch durch gewachsene mentale Stärke, wie die Weltklasse-Gymnastin gerne berichtet. "Vor zwei Jahren in Paris habe ich vor und während des Wettkampfs noch viel zu viel nachgedacht. Und ich habe gelernt, dass man an Fehlern sofort arbeiten muss", beschreibt Onofriichuk ihre aktuelle Vorgehensweise. Und um sich ihre wenigen sportlichen Defizite regelmäßig im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen führen zu können, werden sie fein säuberlich in ein kleines Tagebuch eingetragen. 

Kurze Kunstpausen zwischen den Wettkämpfen gehören mittlerweile der Vergangenheit an. Denn ihre Trainerin Irina Derjugina ist nicht nur eine erfahrene Betreuerin, sondern auch ein Stück weit ein sportliches Vorbild für ihre gelehrige Schülerin. 1977 und 1979 holte die mittlerweile 68-Jährige WM-Gold im Mehrkampf für die damals noch existierende Sowjetunion. Großes Pech für Derjugina: Eine olympische Disziplin war die Rhythmische Sportgymnastik seinerzeit noch nicht. Das änderte sich erst 1984 bei den Spielen von Los Angeles. Und genau dorthin richtet sich schon jetzt der Blick Onofriichuks, denn 2028 ist die kalifornische Metropole erneut der Schauplatz Olympischer Sommerspiele. Dann möchte Taisiia den Triumph feiern, der ihrer Trainerin damals verwehrt blieb. Und sie glaubt fest daran: "Ich bin noch längst nicht auf meinem Karriere-Höhepunkt. Und deshalb kann ich in zwei Jahren Olympiasiegerin werden."

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