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Die Bühne neben dem Wettkampf

Let's Dance Paar Magdalena Brzeska und Erich Klamm feiern bei WM-Show ihr Comeback

Wie die Show bei der RSG-WM 2026 die Vielfalt des Turnens sichtbar machen will

Die umfangreichste Übung der RSG-WM 2026 findet nicht auf der Fläche statt. Sie beginnt, wenn die Geräte längst zur Seite gelegt wurden. Denn dann soll in der Frankfurter Festhalle etwas gelingen, das sich nur schwer messen oder gar benoten lässt: eine Show, die ganz verschiedene Facetten einer Sportart erzählen möchte.

Agnes Hartmann hat die künstlerische Leitung dieses Formats. Sie verantwortet beim Deutschen Turner-Bund den Bereich Vorführungen und Choreografie. Ihr Weg führte sie aus der Theaterwissenschaft in den organisierten Sport. Genau an dieser Schnittstelle arbeitet sie auch in Frankfurt: zwischen künstlerischer Idee und präziser Planung. “Das Turnen ist natürlich so unglaublich vielfältig”, sagt Hartmann. "Aus so einer Vielfalt kann man wunderbar eine Show konzipieren."

Der Abend trägt den Titel “Wonderful World of Gymnastics”. Für Agnes Hartmann ist das nicht nur ein dekorativer Zusatz, sondern das Zentrum des Konzepts. “Wir wollen in der Show zeigen, dass Turnen so viel sein kann”, sagt sie. Deshalb folgt der Abend dem Leitmotiv “One Stage. Many Stories.”. Gemeint ist kein durchgehender Handlungsbogen, sondern eine Folge verschiedener Szenen, Themen und Geschichten, die zusammen einen Rhythmus ergeben. “Wenn eine Show funktioniert, dann nur, wenn der Funke wirklich auf das Publikum überspringt”, sagt Hartmann. “Ob zum Nachdenken, zum Staunen oder zum Mitfeiern – das kann ganz verschiedene Formen haben.”

Die Grundlage dafür ist die Mischung. In der Show treffen Elemente der Rhythmischen Sportgymnastik auf Showgruppen, Akrobatik und Beiträge aus dem Vereinsbereich. Mal stehen Einzelne im Fokus, mal große Formationen. Mal wird es ruhig, dann wieder dicht, schnell und kraftvoll. “Diese Mischung macht es”, sagt die Theaterwissenschaftlerin. “Wir wollen eben nicht, dass es monoton wird oder langweilig dahinplätschert.”

Eingebunden sind unter anderem die fünf deutschen Formationen, die bei der World Gym for Life Challenge des Weltturnverbandes in Lissabon im Juli 2025 Gold gewonnen haben. Dazu kommen internationale Gäste und Gruppen, die mit ungewöhnlichen Bildern arbeiten. “Rhythmische Sportgymnastik meets Show”, nennt Hartmann das. Gerade Gruppen aus dem Vereinssport spielen dabei für sie eine wichtige Rolle. “Wir wollen auch die Innovation und die Kreativität dieser Gruppen und Vereine zeigen”, sagt sie. “Und vielleicht andere inspirieren.” Dazu gehört etwa auch die Gruppe Trongym, die mit eigens entwickelter LED-Technik arbeitet und damit besondere visuelle Akzente setzt.

Zur Vielfalt des Programms gehören aber auch prominente Namen und besondere Signale. So wird die 26-malige deutsche Meisterin Magdalena Brzeska zusammen mit ihrem ehemaligen Let's Dance Partner Erich Klann Teil der Show sein und mit einem Comeback überraschen. Auch der spanische Gymnast Eneko Lambea wirkt mit und zeigt, dass Rhythmische Sportgymnastik in Spanien auch von Männern als Wettkampfsport betrieben wird. Hinzu kommen Athletinnen und Athleten von Special Olympics, die Gruppenübungen der Rhythmischen Sportgymnastik präsentieren werden. Und auch die deutsche Nationalmannschaft Gruppe wird unmittelbar nach ihrem Wettkampf am Samstag noch einmal auf die Fläche zurückkehren und in der Show auftreten.

Die eigentliche Schwierigkeit dieser Produktion liegt jedoch nicht zuerst im Inhalt, sondern in den Bedingungen. Die Show entsteht nicht unter Theaterbedingungen, sondern im engen Korsett einer laufenden Weltmeisterschaft. Geturnt wird auf dem vorhandenen WM-Setup, also auf der Fläche der Rhythmischen Sportgymnastik und drumherum, das ist das Spannende. Hier musste man kreativ werden. Große Umbauten sind ausgeschlossen, die Wettkämpfe haben Vorrang. “Wir haben ganz, ganz wenig, eigentlich fast gar keine Probenzeit für die Show”, sagt Hartmann. “Wir fangen dann an, wenn die Wettkämpfe zu Ende sind, mal vorsichtig auf die Wettkampffläche zu gehen.”

Für sie ist genau das die größte Herausforderung. Eine solche Produktion lasse sich nicht vor Ort entwickeln, sondern müsse vorher so präzise wie möglich angelegt werden. “Wir müssen vieles im Vorfeld sehr genau planen, weil vor Ort nur wenig Zeit bleibt, um Anpassungen vorzunehmen”, sagt sie. Das betrifft Wege, Übergänge, Einsätze, Requisiten sowie Auf- und Abgänge. “Vor Ort sieht man dann trotzdem immer noch einmal Dinge, die man vorher nicht sehen konnte”, sagt Hartmann. “Da merkt man dann plötzlich: Hier kommt jemand gar nicht durch, da ist ein Geländer, dort stehen Kameras.”

Gerade deshalb kommt der Verbindung der einzelnen Teile besondere Bedeutung zu. Der Abend soll nicht aus bloß aneinandergereihten Nummern bestehen. Melissa Diete vom Hessischen Turnverband führt gemeinsam mit dem Violinisten Puschan Mousavi Malvani als wiederkehrendes Element durch das Programm. Hinzu kommen ein musikalischer Faden und ein Kinderchor aus Frankfurt, der das Lied „What a wonderful world“ von Louis Amstrong singen wird. “Wir erleben viele kleine Geschichten", sagt Hartmann. “Aber trotzdem steht alles unter diesem Motto ‘Wonderful World of Gymnastics’.”

Auch die Gruppen selbst gehören für sie zum Kern der Aufführung. Rund 350 Mitwirkende werden für den Abend in Frankfurt erwartet. Sie kommen aus unterschiedlichen Regionen, mit eigenen Anforderungen. "Was mich immer sehr berührt, ist, wenn die unterschiedlichen Gruppen gemeinsam proben, gemeinsam fiebern, gemeinsam aufgeregt sind", sagt Agnes Hartmann. "Und wenn sich daraus dann so eine Gemeinschaft bildet." Das ist auch typisch für den Turnsport – das Miteinander, die Gemeinschaft.

Dass die Festhalle dafür ein besonderer Ort ist, betont sie ausdrücklich. “Die Festhalle ist eine faszinierende Location”, sagt Hartmann. “Allein durch die Kuppel.” Zugleich verschärft gerade dieser Ort die Anforderungen. Denn am nächsten Tag folgen wieder Finals, der Wettkampfbetrieb darf nicht gestört werden, der Boden nicht beschädigt, die Abläufe nicht behindert werden. “Die Herausforderungen sind schon enorm”, sagt sie. “Aber ich freue mich natürlich sehr darauf, diese Show gemeinsam mit Regisseur Marc Klein, den wunderbaren Gruppen und Acts und einem tollen Team dort umsetzen zu dürfen.”

Wenn Hartmann vom Gelingen spricht, meint sie deshalb nicht zuerst einen reibungslosen Ablauf. Gemeint ist der Moment, in dem Form und Wirkung zusammenkommen. “Wenn der Funke übergesprungen ist, wenn ich gesehen habe, das Publikum geht mit, staunt mit, feiert mit, lacht mit, dann bin ich happy”, sagt sie. Denn dann wäre die Show kein bloßes Beiwerk der Weltmeisterschaft, sondern ein eigener Abend mit eigener Handschrift.

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