Wenn im Sommer 2026 die Weltelite der Rhythmischen Sportgymnastik in der Frankfurter Festhalle antritt, wird es um Punkte, Platzierungen und Titel gehen. Doch wer nur auf die Wettkämpfe schaut, verpasst einen entscheidenden Teil dieser Weltmeisterschaften. Denn rund um die Entscheidungen auf der Fläche entstehen weitere Ereignisse – Ereignisse, die die Sportart sichtbarer und greifbarer machen sollen.
Lea Kuhl ist eine derjenigen, die genau daran arbeitet. Die Projektmanagerin verantwortet die sogenannten Side-Events der WM – also all das, was nicht direkt zum Wettkampf gehört, aber darüber entscheidet, wie die Veranstaltung wahrgenommen wird. “Wir wollen nicht nur Wettkämpfe zeigen, sondern die Sportart insgesamt erlebbar machen”, sagt sie.
Das beginnt schon, bevor die erste Übung gezeigt werden wird. Während im August in der Festhalle noch die letzten Vorbereitungen laufen, werden sich bereits Delegationen aus aller Welt im Gesellschaftshaus des Palmengartens treffen. Rund 200 Gäste werden dort zum Welcome Dinner erwartet – ein klassischer Programmpunkt bei internationalen Meisterschaften, der in Frankfurt bewusst als Auftakt genutzt wird. Die WM soll von Anfang an auch außerhalb der Halle stattfinden.
Auch die Eröffnungsfeier folgt diesem Gedanken. Sie soll nicht nur aus Reden und offiziellen Abläufen bestehen, sondern gezielt Aufmerksamkeit erzeugen. Frankfurt selbst wird zur Bühne, die Stadt – mit ihrem markanten urbanen Stadtbild und den prägenden Hochhäusern, die bewusst in Verbindung mit der RSG als dynamische, moderne Kulisse inszeniert werden wird – zum Teil des Events. Ermöglicht wird dieses Gesamtkonzept durch die Unterstützung des Bundeskanzleramts, des Sportlandes Hessen sowie der Stadt Frankfurt. Dahinter steht eine klare Überlegung: Mehr Aufmerksamkeit entsteht nicht allein durch sportliche Leistungen.
Besonders deutlich wird dies am Samstagabend. Dann verwandelt sich die Festhalle in eine eindrucksvolle Showbühne. Unter dem Titel “Wonderful World of Gymnastics” präsentiert der Deutsche Turner-Bund einen Bereich, der seit jeher eine zentrale Rolle in seiner Arbeit spielt: Shows und Vorführungen als eigenständige, identitätsstiftende Säule neben dem Wettkampfsport. Hier geht es nicht allein um Leistung im klassischen Sinne, sondern um Inszenierung, Ausdruck und die emotionale Kraft des Turnens.
Verschiedene Disziplinen, inklusive Gruppen sowie Beiträge aus dem Breiten- und Leistungssport, werden bewusst zusammengeführt und in einen künstlerischen Kontext gestellt. Damit knüpft der Deutsche Turner-Bund an seine starke Tradition im Bereich der Turnshows an, die seit Jahrzehnten ein breites Publikum begeistern und das verbindende Element zwischen Spitzensport, Vereinsleben und gesellschaftlicher Teilhabe darstellen. Ziel ist es, die gesamte Vielfalt dieser Sportwelt sichtbar und erlebbar zu machen – weit über den reinen Wettkampf hinaus.
Doch die Side-Events zielen nicht nur auf große Bilder. Sie setzen auch im Kleinen an. Vor der Festhalle ist eine Fan Zone geplant, ein offener Mitmachbereich für Besucherinnen und Besucher. Kinder können sich dort ausprobieren, Bewegungsangebote testen und erste Berührungspunkte mit dem Turnen sammeln. Ein Parcours – der sogenannte “Turnwarrior” des Hessischen Turnverbandes – soll dabei spielerisch zeigen, was in der Welt des Turnens möglich ist.
Parallel dazu richtet sich ein Teil des Programms bewusst an diejenigen, die die Sportart tragen: Trainerinnen und Trainer, Vereine, Fachpublikum. Workshops und Austauschformate sollen die Weltmeisterschaften auch als Plattform nutzen. Wenn ohnehin die internationale Szene vor Ort ist, soll dieses Potenzial nicht ungenutzt bleiben.
All das folgt einer klaren Idee: Die Rhythmische Sportgymnastik soll nicht nur gesehen, sondern besser verstanden werden. Denn trotz großer internationaler Erfolge bleibt sie in Deutschland eine Nischensportart. Aufmerksamkeit entsteht oft punktuell – etwa bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen – und ebbt schnell wieder ab.
Kuhl kennt diese Mechanismen. Sie hat viele Jahre im Sporteventbereich gearbeitet und weiß, wie kurz die Halbwertszeit von Aufmerksamkeit sein kann. Gerade deshalb sieht sie in der WM eine Chance – auch für Partner und Sponsoren. Formate wie die Fan Zone bieten die Möglichkeit, Zielgruppen direkt zu erleben. Ein junges, überwiegend weibliches Publikum, das für bestimmte Branchen interessant ist. Ob daraus langfristige Engagements entstehen, bleibt offen. Aber hier entsteht zumindest die Grundlage dafür.
Für Frankfurt selbst ist die Veranstaltung ohnehin mehr als nur ein sportlicher Termin im Kalender. Die Stadt positioniert sich erneut als Gastgeber internationaler Großereignisse, in diesem Fall erstmals sogar als Gastgeber von Weltmeisterschaften in einer olympischen Sportart. Orte wie der Palmengarten oder das Umfeld der Festhalle werden bewusst einbezogen, die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Organisationskomitee ist eng. Die WM soll sichtbar werden. Und das nicht nur für die Ticketinhaberinnen und -inhaber.
Am Ende wird sich der Erfolg der Side-Events nicht an einzelnen Programmpunkten messen lassen. Sondern daran, was bleibt. “Die Menschen sollen nicht nur Wettkämpfe gesehen, sondern die Sportart erlebt haben”, sagt Kuhl.
Wenn die Besucherinnen und Besucher nach Hause gehen und mehr mitnehmen als Ergebnisse – vielleicht ein Gefühl, eine neue Perspektive oder einfach die Lust, wiederzukommen – dann hätte diese Weltmeisterschaften ihr Ziel erreicht. Wenn die Besucherinnen und Besucher nach Hause gehen und mehr mitnehmen als Ergebnisse – vielleicht ein Gefühl, eine neue Perspektive oder einfach die Lust, wiederzukommen – dann hätten diese Weltmeisterschaften ihr Ziel erreicht. Nicht nur sportlich, sondern auch darüber hinaus.