Als Oberbürgermeister von Frankfurt am Main und Sportdezernent der Stadt ist Mike Josef nah dran an allem, was die Sportstadt bewegt. In der Jugend spielte er Fußball, verfolgt heute aber mit großer Freude den Sport in seiner ganzen Vielfalt – von der Breite bis zur Weltspitze. Im Vorfeld der Weltmeisterschaften der Rhythmischen Sportgymnastik spricht er über Frankfurts besondere Stärken als Gastgeberin und die Begeisterung für den Sport.
Frankfurt am Main versteht sich als eine kompakte Metropole mit internationaler Strahlkraft. Was macht die Stadt aus Ihrer Sicht zu einer besonders passenden Bühne für die Weltmeisterschaften der Rhythmischen Sportgymnastik?
Frankfurt ist eine Stadt der Kontraste – und genau darin liegt eine besondere Nähe zur Rhythmischen Sportgymnastik. Die Sportart lebt von Gegensätzen: Kraft und Eleganz, Dynamik und Präzision, fließende Bewegungen und punktgenaue Höchstleistungen. Was auf der Fläche scheinbar mühelos wirkt, ist in Wahrheit das Ergebnis enormer Disziplin und Körperbeherrschung. Ähnlich verhält es sich mit unserer Stadt: Frankfurt verbindet internationales Flair mit Bodenständigkeit, Geschichte mit Moderne, und bringt unterschiedlichste Lebensrealitäten in einer bemerkenswert gelassenen Atmosphäre zusammen. Auf vergleichsweise kleinem Raum kommen hier verschiedenste Lebenswelten zusammen und verbinden sich manchmal genau dort, wo man es am wenigsten erwartet. Genau diese Mischung macht Frankfurt zu einer idealen Bühne für ein so internationales und außergewöhnliches Sportereignis.
Wenn Sie Gästen im August nur einen „Frankfurt-Moment“ mitgeben könnten, welcher wäre das?
Ich würde mich zunächst von den regionalen und internationalen Eindrücken inspirieren lassen – beispielsweise in der Kleinmarkthalle, auf dem Wochenmarkt oder in den unscheinbaren Seitenstraßen der Stadtteile. Anschließend würde ich mich mit prall gefüllten Taschen ans Mainufer setzen. Dort, in der Sonne, mit Blick auf die Skyline, lässt sich das lebendige Treiben der Stadt wunderbar beobachten. Dieser Moment vereint vieles, was Frankfurt ausmacht: Genuss, Internationalität, Gelassenheit und die besondere Atmosphäre zwischen urbaner Dynamik und entspanntem Miteinander. Und wer möchte, hat es danach nicht weit in eines der Museen, eines der Traditionslokale von Sachsenhausen oder in den Hafenpark für einen beweglichen Ausklang des Tages.
Die Wettkämpfe sind begehrt, die Finals bereits ausverkauft: Was sagt das über die Sportbegeisterung in Frankfurt am Main aus, und wie können trotzdem möglichst viele Menschen Teil dieses Ereignisses werden?
Die große Nachfrage nach den Wettkämpfen zeigt deutlich, welchen Stellenwert Sport in Frankfurt hat – und das über einzelne Disziplinen hinaus. Fast die Hälfte aller Frankfurterinnen und Frankfurter ist Mitglied in einem Turn- und Sportverein, hinzu kommt ein breites Spektrum an frei organisiertem Training. Wir erleben bei großen Veranstaltungen regelmäßig eine beeindruckende Begeisterung und großen Respekt für die Leistungen der Athletinnen und Athleten. Auch wenn nicht alle live in der Halle dabei sein können, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Teil dieses Ereignisses zu werden – etwa durch begleitende Formate wie die „WM-Show: Wonderful World of Gymnastics“ oder durch eines der Side Events in der Stadt. Die WM wird in Frankfurt spürbar sein.
Rhythmische Sportgymnastik verbindet Höchstleistung mit Ästhetik. Gibt es eine Parallele, die Sie zwischen dieser Sportart und Frankfurt am Main als Stadt sehen?
Frankfurt steht niemals still und hat dabei doch seinen ganz eigenen Rhythmus. Vielleicht ist das die schönste Parallele zur Rhythmischen Sportgymnastik. Zwischen den Hochhäusern, entlang des Mains und in den Stadtteilen entstehen ständig neue Perspektiven: schon vormittags laden kleine, individuelle Geschäfte und Gastronomien zum persönlichen Austausch ein, später lockt die eindrucksvolle Skyline etliche Menschen ans Museumsufer, abends erwachen kreative Orte, die von jungen Menschen mitgestaltet werden. Diese Verbindung aus Bewegung, Individualität und Ausdruck erinnert an die Choreografien der Athletinnen – präzise, kraftvoll und voller Persönlichkeit.
An welchem Ort in Frankfurt am Main spürt man den „Sportgeist“ der Stadt am stärksten, und warum gerade dort?
Den Sportgeist Frankfurts spürt man nicht nur an einem einzigen Ort – er zeigt sich in unzähligen Momenten über den ganzen Tag hinweg. Beim Joggen, Spazieren oder Yoga am Mainufer, beim Basketball oder Calisthenics im Hafenpark, auf den Sportplätzen in den Vereinen, beim Tanzen oder Skaten im öffentlichen Raum. Oft passiert das ganz spontan und individuell: Menschen, die sich ihre Stadt auf eigene Weise aneignen und sie zu ihrem persönlichen Bewegungsraum machen. Genau diese Selbstverständlichkeit von körperlicher Aktivität prägt Frankfurt und macht die Stadt zu einer echten Sportstadt.