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Magdalena Brzeska weiß: "Die ganze Halle wird beben"

Magdalena Brzeska am VFS-Talk für die RSG-WM 2026 | Foto: DTB

Die 26-fache Deutsche Meisterin freut sich über den Boom der Rhythmischen Sportgymnastik und auch darauf, bei der Weltmeisterschaft wieder ein Heimspiel zu erleben - auch auf der Bühne.

"Das wird bombastisch. Die ganze Halle wird beben." Das sagt Magdalena Brzeska nicht, weil sie für die Weltmeisterschaften ihrer Herzens-Sportart trommeln will. Sondern weil sie genau weiß, wie sich ein Heimspiel auf großer Bühne anfühlt. "Meine internationale Karriere begann 1992 mit der Europameisterschaft in Stuttgart und sie endete 1997 mit der Weltmeisterschaft in Berlin.“ Dazwischen liegen fünf Jahre, in der sie zu einer Symbolfigur der Rhythmischen Sportgymnastik in Deutschland aufstieg. So wie Darja Varfolomeev, der sie wie auch den Kolleginnen im Team des Deutschen Turner-Bundes ein besonderes Erlebnis vorhersagt, wenn es im August heißt: RSG-WM in der Frankfurter Festhalle. "Das sind Gänsehaut-Momente und neben den Olympischen Spielen das Schönste, was ein/e Sportler*in erleben kann."

Eben eine große Meisterschaft vor heimischem Publikum, welches Darja Varfolomeev schon verzückt hat durch ihre Erfolge in der Ferne: Gold bei Welt- und Europameisterschaften und natürlich bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris. Es gibt viele Parallelen zur Karriere von Magdalena Brzeska, aber auch große Unterschiede. "Von Darja wird als Titelverteidigerin natürlich viel erwartet. Bei mir war der Druck nicht so groß, weil der Ostblock zu dieser Zeit einfach zu dominant war. Deswegen waren die großen Meisterschaften etwas entspannter für mich."

Was anfangs auch für deutsche Meisterschaften galt, in die Magdalena Brzeska wie ein kleiner RSG-Komet einschlug. Als zwölf Jahre altes Mädchen, das seine Karriere als Gymnastin fast schon abgeschrieben hatte. Denn wie ihre heute berühmte Nachfolgerin keimte der Traum von der großen Sportwelt im Ausland. Darja Varfolomeev erlebte ihre frühe Kindheit in Russland, Magdalena Brzeska in Polen. "Ich bin in der Turnhalle aufgewachsen", sagt die heute 47-Jährige im Interview. Ihre Mama war Polnische Meisterin in der Rhythmischen Sportgymnastik, eine Nachfolgerin entzündete endgültig das Feuer und den Drang in Richtung große Bühne: "Spätestens, als ich die Polnische Meisterin bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul im Fernsehen gesehen habe, da war mir klar: Ich gebe jetzt Vollgas. Ich möchte, dass man mich auch so sieht wie diese Gymnastin." Da war die kleine Magda zehn Jahre alt. 

Wenig später sah sie ihren Traum aber geplatzt, als sie den zuvor ausgewanderten Eltern nach Deutschland folgte. "Da dachte ich, meine Karriere ist vorbei. Doch meine polnische Trainerin rief mich an und sagte mir, ich solle doch mal in Schmiden vorbeischauen", blickt die in Gdynia geborene Gymnastin auf einen Tag zurück, der ihren Lebensweg prägen sollte. Sie reiste mit ihrem Stiefvater von Hamburg nach Schmiden und ließ ihn allein zurückfahren. "Ich habe ihm gesagt: Papa, ich bleibe hier." Zu schön war die Sportgymnastik-Welt mit den neuen hohen Hallen im Leistungszentrum.

Das zum Ausgangspunkt einer Karriere wurde, die zu 26 deutschen Meistertiteln und bis zu den Olympischen Spielen mit Finalteilnahme 1996 in Atlanta führte. Eigentlich hatte sich Magdalena Brzeska schon bei ihrem EM-Debüt für die Sommerspiele 1992 in Barcelona qualifiziert, doch es fehlte noch die deutsche Staatsbürgerschaft. 1997 war schon wieder Schluss mit Leistungssport, doch Magdalena Brzeska blieb eine Person der Öffentlichkeit und wurde zum Gesicht der Rhythmischen Sportgymnastik.  "Ich hatte schon immer Spaß an solchen Auftritten, das war zu aktiven Zeiten auch eine schöne Abwechslung zum Training." Mal eben in der Talkshow von Harald Schmidt oder bei Thomas Gottschalk in "Wetten, dass...". Ihr Name gehört mittlerweile zu vielen Fernsehformaten wie "Ewige Helden" oder "Let's dance", wo sie 2012 und 2013 sogar zweimal siegte.

Aber neben der Show blieben der Leistungssport und die Weiterentwicklung der Rhythmischen Sportgymnastik in Deutschland ihre Herzenssache. 2006 gründete Magdalena Brzeska beim TSV Schmiden eine nach ihr benannte Talentschule, seit 2013 ist sie Leiterin des Leistungsstützpunktes bei der TSG Söflingen in der Nähe ihres Wohnorts Ulm. Sie freut sich, dass eine von ihr von klein auf betreute Gymnastin wahrscheinlich zur deutschen Gruppe bei der WM gehören wird. Ihr Problem als Trainerin: die Nervosität. "Ich bin bei jeder Übung meiner Turnerinnen sehr aufgeregt und turne am Rand förmlich mit.“ Besonders schlimm war es bei ihrer Tochter Noemi, die sich auch bis in die Nationalmannschaft turnte: “Das war so schlimm, dass ich zu einer EM mitgefahren bin und Tickets hatte, aber bei ihrer Übung nicht in der Halle sein konnte. Ich konnte nicht mal den Livestream ihrer Wettkämpfe anschauen.”

Ein großer Unterschied zu Darja Varfolomeev, der sie neben der herausragenden sportlichen Klasse hohe Nervenstärke attestiert. Und sich darüber freut, dass die Erfolge der Olympiasiegerin die RSG boomen lassen. “Ich kann mich vor Anrufen und E-Mails kaum retten”, sagt Magdalena Brzeska, für die mit dem Andrang aber auch die Probleme wachsen: "Es mangelt an Trainern und Hallenzeiten. Die Sportart selbst hat sich im Vergleich zu ihren Zeiten extrem verändert. Viel athletischer, tänzerischer, moderner, vielseitiger, mehr Risikoelemente und höhere Schwierigkeiten." Die Kurzzusammenfassung der Entwicklung einer Sportart, in der Magdalena Brzeska noch mit Keulen und Reifen aus Holz turnte - und zu live auf dem Klavier gespielter Musik.

Hatte auch seine Vorteile, wenn mal was schief ging. “Da wurde der Hummeltanz schon mal etwas länger gehummelt”, sagt Magdalena Brzeska lachend. Denn auch einer Weltklasse-Gymnastin rutschte mal die Keule aus der schweißnassen Hand in Richtung Fotografen oder es flog der Ball von der Wettkampffläche in den Kabinengang.

Erfreulich sei, dass sich das körperliche Verständnis verändert habe. "Damals galt nur:  je dünner, desto besser; je weniger essen, desto gesünder, je weniger du wiegst, desto höher springst du." Weil das Umfeld insgesamt professioneller geworden sei, glaubt sie auch, dass die 19 Jahre alte Darja Varfolomeev länger auf der Sportbühne bleibt als sie selbst. Auch dank Klaus Kärcher, der schon ihr eigener Manager war.

Magdalena Brzeska wird in Frankfurt als "Repräsentantin der Weltmeisterschaft" im Einsatz sein. Sie hat aber auch schon verraten: "Ich werde auch bei der Gala am Samstagabend auf der Bühne zu sehen sein.“ Und egal, was sie 34 Jahre nach ihrem internationalen Debüt zeigen wird - die Halle wird mit Sicherheit beben.

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