FIG Rhythmic Gymnastics World Championships Logo

Sofia Raffaeli – Die Kunst der Perfektion

Sofia Raffaeli mit dem Ball

Mit charakterstarken Übungen und ungebrochener Hingabe will sich Italiens Top-Gymnastin wieder an die Spitze turnen

"Atomameise" ist nun wahrlich kein besonders schmeichelhafter Spitzname, aber die nur 1,62 m kleine Sofia Raffaeli nimmt ihn angesichts ihrer schier grenzenlosen Leidenschaft für die Rhythmische Sportgymnastik achselzuckend zur Kenntnis. "Dieser Sport ist mein Leben", sagt die Italienerin, die zwei Jahre nach dem Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris bei den Weltmeisterschaften in Frankfurt / Main nun wieder ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen möchte. 

Die sonst beinahe Unfehlbare leistete sich ausgerechnet in der französischen Hauptstadt zwei Fehlerchen und ebnete damit unfreiwillig Darja Varfolomeev ein Stück weit den Weg zum Olympiasieg. Eine bittere Enttäuschung für die 22-Jährige, die schon mit 18 Jahren 2022 bei den Weltmeisterschaften in Sofia gleich fünf Goldmedaillen gewonnen hatte. Ein außergewöhnlicher Triumph, dessen Ausgangspunkt elf Jahre zuvor ein Geschenk zum siebten Geburtstag war: Die kleine Sofia, schon seit drei Jahren als Turnerin aktiv, bekam als Präsent zwei Handgeräte, einen Ball und ein Band, und verwandelte sich daraufhin mit wachsender Begeisterung in eine Sportgymnastin. 

Mit den ersten sportlichen Erfolgen wuchs auch die Motivation mehr und mehr. "Jede meiner Übungen hat eine eigene Geschichte. Es muss etwas Emotionales sein, etwas, das die Herzen der Zuschauer berührt. Genau das ist das Schöne in der Rhythmischen Sportgymnastik", sagt Raffaeli, die in Chiaravalle in der Provinz Ancona geboren wurde. Aber die Weltklasseathletin, die in der Gymnastik-Bundesliga bereits für Bayer Leverkusen auf die Wettkampffläche ging, hat auch schon die düsteren Seiten einer Disziplin, bei der bis zu acht Stunden täglichen Trainings keine Seltenheit sind, kennengelernt.  2025 erhielt Raffaelis langjährige Trainerin Emanuela Maccarini vom italienischen Turnverband ihre fristlose Kündigung, nachdem schwere Vorwürfe gegen die Betreuerin erhoben worden waren. Maccarini soll ihre Athletinnen laut italienischer Medien mehrfach psychisch misshandelt haben. Die "Gazzetta dello Sport" berichtete sogar, Raffaeli sei gezwungen worden, sich nach dem Training mit einem Kniefall flehentlich für ihre Fehler bei den Übungen zu entschuldigen. 

Seit Jahresbeginn wird Raffaeli, die bereits mit einem eigenen Element, dem Seitspagat "Raffaeli", Aufnahme in den Code de Pointage gefunden hat, nun von Amina Saripowa trainiert. Die 49 Jahre alte Russin führte 2016 in Rio de Janeiro Margarita Mamun zum Olympiasieg und gilt in der Branche als ehrgeizige, aber auch sehr menschliche Betreuerin. Raffaeli: "Ich habe mich sofort mit ihr gut verstanden. Sie kennt jeden in der Rhythmischen Sportgymnastik, und ich bin sicher, dass sie mir eine große Hilfe sein wird." Und scheinbar bleibt ihr tatsächlich ungeachtet des nach wie vor sehr fordernden Trainingspensums hin und wieder ein wenig mehr Freizeit. Raffaelis ganzer Stolz ist ein knallroter Fiat 500, für sie ein Symbol einer wachsenden Selbstständigkeit: "Ich bin schon viel gereist, wurde aber immer nur transportiert. Jetzt kann ich selbst fahren, wohin ich will." Und ohne bei ihrer neuen Trainerin dafür um Erlaubnis zu bitten.

PARTNER WORLD GYMNASTICS

OFFIZIELLER TOP PARTNER

OFFIZIELLE PARTNER

FÖRDERUNG