Lada Pusch war mit ihrer Mama im Schwimmbad - und jetzt wird sie für das Turn-Team Deutschland bei der Weltmeisterschaft in der Rhythmischen Sportgymnastik antreten. Eine sehr verkürzte Darstellung einer sportlichen Laufbahn, die aber auch verdeutlicht, dass der Zufall den Weg zum Erfolg einleiten kann. „Eine Frau hat uns die ganze Zeit angeschaut, das war schon ein bisschen komisch“, berichtet Lada Pusch vom Schwimm-Ausflug, der sie schließlich in die Gymnastikhalle führen sollte. Denn jene Frau war eine Trainerin, die für den Aufbau einer Gruppe junge Gymnastinnen suchte und sehr angetan war von der kleinen Lada.
„Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir in die Halle reingelaufen sind. Da waren Gymnastinnen, die viel älter waren als ich und die mit Reifen und Keule so tolle Sachen gemacht hat. Ich wollte gar nicht mehr gehen“, erzählt Lada Pusch, die damals Ballett tanzte. Was eher der Herzenswunsch der Mutter war, nun hatte aber die kleine Tochter ihre wahre Leidenschaft gefunden: Rhythmische Sportgymnastik. Gut 14 Jahre später sitzt die im März volljährig gewordene Lada im Leistungszentrum Kienbaum und kann immer noch nicht so richtig glauben, dass sie eine von drei Einzel-Gymnastinnen ist, die vom Deutschen Turner-Bund für die Heim-WM in Frankfurt nominiert wurden.
Sie selbst lieferte aber glänzende Gründe dafür mit viermal Edelmetall bei den Deutschen Meisterschaften in Hannover: Silber im Mehrkampf, Silber mit Reifen und Band, als goldene Krönung schließlich der Titelgewinn im Einzelfinale mit den Keulen. „Die Saison war bis dahin nicht so gut gelaufen ist. Ich wusste aber, da ist die Chance, bei den Deutschen Meisterschaften mein Bestes zu zeigen“, erzählt Lada Pusch über ihre aufregenden Tage bei „Die Finals“ in der ZAG Arena: „Ich hätte vorher aber nie gedacht, dass es so ein Ergebnis wird. Ich würde sagen, dass es am Ende der Wille war.“
Ein Wille, der in einem Jahr mit mehr Tiefen als Höhen reifte. Mental ganz unten fand sich Lada Pusch, als im September 2025 im Training ein Meniskus einriss. „Das war keine schwere Übung, eigentlich ein ganz normaler Bodengang. Plötzlich hat es richtig laut geknackt.“ Operation und absolute Ruhe für das Knie statt Training und Wettkämpfe. Eine harte Prüfung für eine Sportlerin, die es gewohnt ist, bis zu acht Stunden am Tag in der Sporthalle zu verbringen. Und die doch gerade für das große Nahziel Heim-WM und das noch größere Fernziel Olympia trainierte. Keine unrealistischen Ambitionen für eine Gymnastin, deren sportliche Vita 2021 den ersten Deutschen Meistertitel bei den Juniorinnen und 2023 JWM-Silber mit dem Ball aufweist.
Ein Jahr später folgte der Einstieg in die Seniorenklasse mit schnellen Erfolgen bei internationalen Turnieren und drei Bronzemedaillen bei den Deutschen Meisterschaften, 2025 schließlich die erste EM-Teilnahme mit Platz sieben im Keulen-Finale. Nun also die ganz große WM-Bühne, auf der sie mit drei Geräten (Reifen, Ball, Keule) im Einsatz sein wird, einfach nur ihr Bestes geben will und ein bisschen mit der Qualifikation für ein Finale liebäugelt. Die große Kulisse in der mit bis zu 5000 Zuschauern besetzten Festhalle schreckt sie nicht. „Ich finde es toll, wenn so viele Menschen jubeln. Das gibt noch einmal Extra-Motivation“, sagt Lada Pusch, die sich über die stark gestiegene Popularität ihrer Sportart freut. Wohlwissend, dass die Goldserie von Darja Varfolomeev dafür verantwortlich ist. „Das ist schon krass, weil ich ja quasi mit ihr aufgewachsen bin, weil wir uns schon lange vor ihren Erfolgen gekannt haben und weil ich weiß, durch was sie alles gegangen ist.“ Eine Teamkollegin, die also auch Vorbild ist und Lada Pusch zeigt, wohin der Weg führen kann.
Mit der sie aber auch flauschige Blumen aus Pfeifenputzern bastelt, wenn die Zugfahrt mal wieder länger dauert. So geschehen auf dem Weg ins Trainingslager nach Kienbaum. Da packt Lada Pusch gerne ihre kreative Seite aus. Viel Zeit dafür lässt der Tagesplan sonst nicht. Denn zu den Trainingseinheiten kommen immer noch die Schulstunden. „Aber ich mag es auch zu lernen. Es ist eine schöne Abwechslung, in die Schule zu gehen“, sagt die 18-Jährige, die im nächsten Jahr ihr Abitur anstrebt. An der Schule in Fellbach, wo sie mit ihrer Familie lebt. Um dem Bundesstützpunkt in Schmiden ganz nah zu sein, an den es sie nach der Kindheit in Müllheim und schon von der Sportgymnastik geprägten Jahren in Köln führte.
Der sportliche Erfolgsweg führte sie schon in die halbe Welt und nun eben nach Frankfurt, wo übrigens mit „The Weeknd“ einer ihrer Lieblingssänger vor Kurzem im Open-Air-Stadion gefeiert wurde. Vielleicht wird für Lada Pusch ja die altehrwürdige Festhalle zu einem weiteren Highlight einer Karriere, die einst mit einem Schwimmbad-Ausflug begann.